Vereinsgeschichte

  • Posted on: 5 May 2012
  • By: hhoehn

Eine historische Abhandlung (geschrieben von unseren Ehrenmitglied Josef-Otto Schneider.)

An der Straße zwischen Holler und Montabaur liegt auf einer leichten Anhöhe ein flaches, leicht ansteigendes Areal von stattlicher Größe. Segelflugzeuge überqueren fast lautlos die Straße und landen jenseits auf der kurz geschnittenen Grasfläche. Es ist eine Momentaufnahme, die dem Zuschauer signalisiert, dass hier ein Flugplatz ist.

„Körlen“ heißt die gepflegte Anlage, die seit vielen Jahren dem Segelflug in Montabaur dient und als Flugplatz Geschichte schrieb.

Das war nicht immer so, denn aus den Anfängen der örtlichen Fliegerei in den Zwanzigern und Dreißigern wird berichtet, dass die Segelflieger „hinter dem Bahnhof“, in den Auwiesen, mit ihrem schönen Sport begannen.

SG38 vor dem Schloss.jpg

Ein SG38 mit Olympia Lackierung.

Auch in der Zeit davor, gab es gelegentlich erste Begegnungen zwischen Bürgern der Stadt und den damals noch als waghalsig geltenden Fliegern.

Ein Augenzeuge berichtet von folgendem Ereignis:

„Es muss wohl Mitte der 30er Jahre auf einer befestigten Wiese zwischen Montabaur und Horressen gewesen sein, als dort ein Doppeldecker zu einem kurzen Zwischenstopp gelandet war. Der Pilot und sein Passagier versorgten ihre Maschine, eine Bücker Jungmann, gaben Auskunft über ihr Flugziel und besetzten wieder ihre Maschine. Das geschah recht eindrucksvoll; denn der Pilot bediente Instrumente im Flugzeuginnern, während der Passagier den Motor mithilfe von Drehungen des Propellers zum Anspringen suchte. Das geschah unter wechselndem Rufen „Halt!“ des Piloten und „Frei!“ durch den Passagier. Schließlich vollendeten die beiden ihre Arbeit, gaben genügend Gas und entschwanden mit lebhaftem Winken über dem nahen Stadtwald. Höchst beeindruckt hinterließen die beiden Akteure eine Schar neugieriger Buben, die hinfort der Fliegerei huldigten; ihre Namen finden sich später im Gründungsprotokoll der Segelfluggruppe Montabaur.“

 

Im Jahre 1938 erlebt die Bürger der Stadt eine denkwürdige Veranstaltung: Der erste Flugtag in Montabaur!

Im Rahmen des „Deutschlandfluges“ landete eine große Zahl von einmotorigen Flugzeugen in Montabaur, vollführten Kapriolen am Himmel und ermöglichten den „Mutigen“ eine Mitfluggelegenheit um ihre Heimat einmal von oben bestaunen zu können.

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Bücker 133 "Jungmeister, Focke Wulf "Stieglitz" und Klemm 35 1938 in Montabaur.

 

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1939 wurden die Aktivitäten des Segelflugs in Montabaur weitestgehend eingestellt.

Es war eine schlimme Zeit angebrochen, die zunichte machte, was sich doch so gut angelassen hatte.

Als der Krieg schließlich zu Ende gegangen war brach die Besatzungszeit an, in der Segelflug bis 1952 verboten war. Dennoch gab es einen Lichtblick: Am 18. Oktober 1952, so nennt eine Anwesenheitsliste die Namen von 25 jungen Leuten, die sich im Bahnhofslokal Ahlschwede zum Zwecke der Gründung einer Segelfluggruppe eingefunden hatten, Begeisterung in funkelnden Augen und brennenden Herzen. Der Startschuss war gelungen. Alles andere besorgten die jungen Leute in den folgenden Monaten, die im Flugplatz Körlen eine intakte Anlage besaßen und in zwei alten Baracken an der Koblenzer Straße Abstellräume für den ersten Gleiter benutzen konnten.

Bis die Segelflieger den Körlen als angemessenes Domizil entdeckten, waren alle Bemühungen Halbheiten. Auf den Körlen jedenfalls zog es den im Jahre 1952 gegründeten Verein mit der Bezeichnung „Segelfluggruppe Montabaur“.

Fluglehrer und Fluggerät des Vereins waren schon 1953 einsatzbereit und ab 1954 stand mit dem „Bergfalken“ gar ein vereinseigener Zweisitzer zur Verfügung. Da aber war der Verein schon zum Körlen gewechselt, wo eine an Dürftigkeit nicht zu überbietende Halle vorhanden war. Diese wurde im Verlauf der kommenden Jahre mehr und mehr ausgebaut und steht heute den Mitgliedern als ein bedeutender Mittelpunkt des Vereinslebens zur Verfügung.

Befreundete Segelfluggruppen der Nachbarschaft stellten in der Anfangszeit, als die Alliierten das Fliegen endlich wieder erlaubten, ihre Flugzeuge für Flüge auf dem Körlen zur Verfügung, eine Winde wurde in Eigenbau geschaffen, und der inzwischen gewählte Vorstand sorgte durch Erfindungsreichtum für Aktivität auf dem Körlen.

Tüchtige Vorstände an der Spitze der inzwischen in „Luftsportclub Montabaur“ umbenannten Segelfluggruppe („LSC Westerwald, Montabaur“) führten den Club buchstäblich in bedeutende Höhen des Vereinslebens, in dem auch die Geselligkeit nicht zu kurz kam.

Das von der Bundeswehr über viele Jahre militärisch genutzte Areal wurde im Jahre 2005 ziviler Nutzung zugeführt und somit hatte der LSC die einmalige Gelegenheit das Fluggelände Körlen zu erwerben.

Was Wunder, dass der Platz immer wieder von befreundeten Gruppen benutzt wurde, zum Fliegen wie auch zur musikalischen Unterhaltung durch international bekannte Bands.

 

Persönlicher Rückblick:

Ein außergewöhnliches Flugereignis trug sich im Oktober 1988 beim LSC und zwei Gästen aus den USA zu. Damals besuchte das jüdische Ehepaar, Professor Dr. John Stern und Gattin Carolyn, wieder einmal ihre Heimatstadt Montabaur. In Begleitung zweier einheimischer Freunde aus alten Tagen bemerkten die Gäste, dass in früher Dämmerstunde auf dem Körlen noch Betrieb herrschte, Anlass, sich zu einem Flug über die Heimatstadt zu entschließen. Schnell war man im Doppelsitzer, einer ASK 21 und schnell erhob sich die schmucke Maschine mit Ehefrau Carolyn und dem Piloten im Cockpit in die Lüfte. Mit Herzklopfen verfolgte der Professor den Flug seiner Gattin. Aufatmen, als die Maschine wieder wohlbehalten gelandet war. „Das werde ich wohl mein Leben lang nicht mehr vergessen,“ sagte die Frau des Professors, die von sichtbarer Freude erfüllt war, weil sie ihre Heimatstadt noch nie aus der Luft gesehen hatte.

 

Zu einem besonderen Werbefaktor für das heimische Segelfliegen haben sich in den letzten Jahren die jeweils im Sommer stattfindenden Vorführungen von Flugzeugen der Motor- und Segelflugklassen herausgestellt. In Verbindung mit Flugvorführungen, Musikdarbietungen, Programmnummern bis weit in die Abendstunden hinein, wenn sich vor allem die Jugend des Westerwaldes unter freiem Himmel ein Stelldichein auf dem Körlen gibt. Mehrmals schon beteiligten sich auch Ballonfahrer an dem einzigartigen Erlebnis, das bei Eintritt der Dunkelheit in ein märchenhaft zauberisches Ballonglühen mündet und spontane Beifallsbekundungen der Zuschauer auf den Plan ruft. Die Zahl der Besucher dieses Ereignisses liegt jedesmal bei mehreren tausend und wird selten von anderen lokalen Veranstaltungen übertroffen. Von internationalem Rang, atmen diese erlebnisreichen Stunden auf dem Körlen durchweg europäisches Flair.

 

Zum wiederholten Male gibt sich eine Junkers JU 52 die Ehre des Überfliegens des Körlen. Ihr Kennzeichen ist inzwischen in Zuschauerkreisen recht bekannt: „D-AQUI“ lauten die Buchstaben an Tragflächen und Seiten der Maschine, die eben mal über das Montabaurer Fluggelände auf ihrem Kurzbesuch über den Flugplatz Montabaur hinwegdonnert. Der jüngste Besuch dieser Art folgte erst Mitte September dieses Jahres auf dem Flug von Köln nach Frankfurt/Main. Welch ein Klang aus den drei Sternmotoren, welch ein Anblick auf die bescheiden dreinblickenden Fenster, welche Sicherheit demonstriert die alte „Tante JU!“. Wahrlich – die Maschine stellt manche „junge“ Flugzeugversion in den Schatten. Wer Glück hat, dem öffnet sich das „Museumsstück“ im Tiefflug und manchmal sieht man sogar den Piloten winken.

 

                                              - jos -